Arme unterdrückte Göttinnen

Immerhin, das haben die Frauen von Maria 2.0 erreicht: Man schaut auf die Bilder ihrer Demonstration nach der Weihe von Bischof Christian Würtz am 30. Juni in Freiburg, schaut noch einmal und wieder und denkt immer noch, dass das alles nicht wahr sein könne. Da stehen also etliche Frauen in zumeist blutroten Gewändern – die wahrscheinlich ihr Martyrium als Frauen in der Kirche demonstrieren sollen – und halten riesige Plakate in die Höhe. „Leitung geht ohne Penis“ steht auf einem von ihnen.

Naja, möchte man sich einreden, da hat halt jemand ein Plakat mitgebracht, mit dem die anderen Frauen nicht einverstanden sein werden. Das ist unterste Schublade. So primitiv sind Frauen, die sich katholisch nennen, doch sicher selbst dann nicht, wenn sie via Maria 2.0 der Gottesmutter ein Update verpassen wollen. Das ist dumm, hochmütig, uninformiert und die Frauen wussten wohl nicht, was sie taten. Denn wenn Maria Gott gut genug war, um seinem Sohn menschlichen Leib zu geben, was wollen sie dann besser machen? Wissen die Frauen also, was sie tun?

Und dann gibt es auf dem Münsterplatz in Freiburg ein tiefrotes Plakat mit dem Text „Die Amtskirche fürchtet die Frauen wie der Teufel das Weihwasser“. Wenn es um zutiefst feministische Anliegen geht, darf frau offenbar schwer verallgemeinern. Die staunende Betrachterin der Bilder fragt sich, warum diese Frauen dennoch so gerne als Priesterinnen Teil genau jener Amtskirche
werden möchten. Und würden sie, wenn man sie danach fragte, sagen, dass sie an die Existenz des Teufels glauben? Bedeutet ihnen Weihwasser etwas? Am Ende gar so viel, dass es sogar dem Teufel – wenn er denn für sie existiert – Einhalt gebieten könnte? Gut, Plakate müssen pointiert sein, dürfen verkürzen und provozieren. Und immerhin, das Sprichwort geht davon aus, dass der Teufe dem Weihwasser Wirkmacht zugesteht. Ob die Damen in Rot das ebenfalls so sehen?

Die Demonstrantin mit dem türkisfarbenen Hütchen, der weißgeränderten großen Sonnenbrille und der spitzenbesetzten langen Unterhose, die unter ihrem Kleidchen hervorlugt – übrigens, von Frau zu Frau gesagt, zu alt für diese Kostümierung – hält das schlimmste aller roten Plakate in Händen: „Make Jesus great again! Love women!

Make Jesus great again – macht Jesus wieder groß. Herr Trump kann america great again machen. Das ist durchaus Aufgabe eines Präsidenten. Aber Jesus – wie sollen wir ihn groß machen? In den Augen dieser Frauen ist Jesus jetzt also klein. Und wir Menschen, jene vor allem, die Gottes Kirche endlich ändern wollen – „Die Zeit zu beginnen ist jetzt“ steht auf einem anderen Plakat – wir sollen Gott zu alter Größe verhelfen. Wie das? Als Göttinnen, die stärker als Jesus sind? Nur dann
könnten wir einem kleinen Gott ja aufhelfen!

Wenn Menschen sich einerseits unterdrückt fühlen und andererseits größer als Jesus sein wollen, wenn sie einerseits der Kirche zu viel Macht vorwerfen und andererseits genau jene Macht haben wollen, dann passt das nicht zueinander.

Dummheit und Geltungssucht? Beides ist ziemlich unerfreulich und trägt sicher nicht dazu bei die ecclesia semper reformanda wirklich zu erneuern.

Ursula Zöller

Foto: Pixabay (Bernd Marczak, Berlin)

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