Beten wir für die Verstorbenen

Wir können Ablässe für die Verstorbenen von Allerheiligen bis zum 8. November gewinnen

Am Hochfest Allerheiligen gedenken wir aller Heiligen der katholischen Kirche, den Berühmten wie auch den weniger Berühmten, die uns voraus zum Herrn gegangen sind. Aller Verstorbenen wird besonders am darauffolgenden Tag, dem Allerseelentag, noch einmal gedacht. Da der Allerheiligentag in vielen Bundesländern arbeitsfrei ist, hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt, das Totengedenken und das Brauchtum der Gräbersegnung oder des Friedhofbesuches auf den Allerheiligentag zu legen. Viele Gläubige lassen auch an diesem Tag Messen für ihre Verstorbenen lesen, in denen Fürbitte für deren Seelen gehalten wird. Was viele allerdings nicht mehr wissen: Wir haben auch die Möglichkeit für die Verstorbenen Ablässe zum Nachlass ihrer Sündenstrafen zu erwirken.

Der Mensch kann zu Lebzeiten alles für sich erreichen durch Buße, Umkehr und Gebet, um von seinen Sündenstrafen befreit und nach seinem Tod „schnell“ erlöst zu werden und in die Ewige Anschauung Gottes zu gelangen. Doch nach dem Tod kann keine Seele mehr etwas für sich selbst erwirken. Dann können nur die Lebenden durch ihre Gebete für die Verstorbenen, die als „Arme Seelen“ im Fegfeuer gereinigt werden, noch helfen und deren Zeit der Läuterung abkürzen. Die Kirche ruft uns deshalb immer wieder die Gemeinschaft der Lebenden mit den Armen Seelen ins Gedächtnis und gibt uns die Möglichkeit des fürbittenden Gebetes für die Verstorbenen. Das kirchliche Gesetzbuch (CIC) legt fest, dass „Jeder Gläubige […] Teilablässe oder vollkommene Ablässe für sich selbst gewinnen oder fürbittenweise Verstorbenen zuwenden“ kann. (c. 994 CIC).

In der Konstitution „Lumen Gentium“ (LG) des II. Vatikanischen Konzils heißt es über das wichtige Gebet für die Verstorbenen: „Aus der tiefen Anerkennung dieser Gemeinschaft des ganzen mystischen Leibes Jesu Christi hat die pilgernde Kirche seit den Anfängen der christlichen Religion das Gedächtnis der Verstorbenen mit großer Ehrfurcht gepflegt und hat auch Fürbitten für sie dargebracht, „weil es ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden“ (2 Makk 12, 46).“ (LG 50)

Das Handbuch der Ablässe legt fest, dass wir für die Verstorbenen in der Zeit von Allerheiligen bis zum 8. November täglich einmal einen vollkommenen Ablass gewinnen können, indem wir:

  1. am Allerseelentag (einschließlich 1. November ab 12 Uhr) eine Kirche oder öffentlichen Kapelle besuchen und dort das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis beten.
    oder
  2. vom 1. bis zum 8. November andächtig einen Friedhof besuchen und dort zumindest still für die Verstorbenen beten.

Die üblichen Bedingungen zur Erlangung eines vollkommenen Ablasses sind: Beichte, Kommunion und das Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters (z. B. die Gebetsanliegen des Monats November).

Diese Erfordernisse können mehrere Tage vor oder nach der Verrichtung des jeweiligen Ablasswerkes erfüllt werden. Für die Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt eine Beichte. Wenn die volle Disposition für den vollkommenen Ablass fehlt oder eine der Bedingungen nicht erfüllt ist,  kann zumindest ein Teilablass gewonnen werden. Teilablässe können im Übrigen auch an allen anderen Tagen des Jahres durch den Friedhofsbesuch wiederholt erlangt werden.

In den letzten Jahren konnte ich auf unserem Friedhof beobachten, dass sich jedes Jahr immer mehr Menschen an der zentralgelegenen Priestergruft, auf der ein großes Kreuz steht, zum stillen Gebet versammeln und dort auf den Stufen Seelenlichter aufstellen. Vielleicht können sie die Gräber ihrer Angehörigen nicht besuchen, weil sie zu weit weg oder schon aufgegeben sind. Doch sie besuchen den Friedhof immer noch und beten für die Verstorbenen. Auch kommen wir immer wieder an Gräbern vorbei, die lange eingeebnet sind und auf denen trotzdem ein Licht steht. Immer wieder sehen wir auch Gräber, auf denen es weder ein Gesteck noch ein Licht gibt, denen man auch mitunter ansieht, dass dort schon lange niemand mehr einen Besuch gemacht hat. Mich macht das immer traurig, auch wenn ich die einzelnen Umstände nicht kenne.

Vielleicht beziehen wir in unsere Gebete für die Verstorbenen auch einmal jene mit ein, für die niemand (mehr) betet und jene, die vergessen und einsam gestorben sind.

Susanne Wenzel

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