Die gute Nachricht vom Tiber

Die Engelsbrücke in Rom: Von dort aus wurden die Götzenabbilder von Alexander Tschugguel im Tiber versenkt.

Von dem einen Gott und schwimmenden Götzen

Als zu Ehren des heiligen Franziskus Anfang Oktober in den Vatikanischen Gärten eine Gruppe von Männern und Frauen händchenhaltend um eine Decke auf der Wiese tänzelte, kam der Zuschauerin die Erinnerung an Kindergartenzeiten in den Sinn. Auf der Decke sah man die inzwischen berühmt gewordenen Figuren schwangerer Frauen und ein paar andere Kleinigkeiten, die während der  Amazonassynode ständig zugegen sein würden.

Unter den zu der Baumpflanzaktion versammelten Aktivisten war auch ein Franziskaner, der mir relativ klein erschien, während die Kapuze seiner braunen Kutte ziemlich groß aussah. Ich weiß nicht wie es kam – da in meinem Leben Märchen bisher keine Rolle spielten – plötzlich dachte ich an Rumpelstilzchen wie es um das Feuer tanzt und singt.

Es hat viel Überwindung gekostet nicht sofort einen kleinen Beitrag mit dem Titel „Rumpelstilzchen im Vatikan“ zu schreiben. Mit ziemlich viel Mühe habe ich Abstand davon genommen, weil man ja nicht immer alles, was man nicht so gut findet, aufspießen soll. Außerdem und vor allem geht es den Mitgliedern der schreibenden Zunft viel zu selten um die gute Nachricht, die es zu berichten gilt. So aber mein Anspruch.

Der Franziskaner und seine Partner, die dann ja auch noch vor der Decke oder ihrem Inhalt in die Knie gingen, wurde so weit möglich in jenen Teil meines Gehirns verbannt, wo das große Vergessen herrscht, das sonst durchaus und manchmal mehr als mir lieb ist, funktioniert.

Aber dann wurden die Holzfiguren bei Nacht und Nebel aus der Traspontina-Kirche entfernt und nahe bei der Engelsburg und der mächtigen Figur des Heiligen Michael im Tiber versenkt. Nahe bei dem also, der ganz am Anfang der Geschichte im Kampf den Teufel fragte: Wer ist wie Gott? Der Ort war also gut gewählt.

Wie so oft gab es nun höchst unterschiedliche Reaktionen: den Aufschrei der Empörung der einen und das stille Lächeln jener, die fanden, die Fruchtbarkeitsgöttinnen seien im Wasser des Tiber eigentlich ganz gut aufgehoben. Übrigens beispielsweise auch in einem Museum für indigene Kunst wo man sich an ihnen freuen könnte. Aber die hölzernen Figuren, die nun hochoffiziell endlich doch Pachamamas waren, wurden geborgen und es gab eine ebenso hochoffizielle Entschuldigung für die an ihnen und der Psyche aller Betroffenen begangene Untat.

Doch die offenbar noch im Alten verhaftete Gläubige fragt sich, ob nun nicht auch zum Beispiel für das kraftvolle Fällen der Eiche des Germanengottes Donar eine Entschuldigung fällig wäre. Wie konnte Bonifatius nur so etwas tun! Gut, man nennt ihn Apostel der Deutschen und man nennt ihn heilig, aber durfte er wirklich diesen Baum fällen?

Es gab einmal Missionare, die dem Götterglauben der Heiden die Frohe Botschaft Jesu Christi entgegensetzten. Sind diese Zeiten endgültig vorüber? Schweigen wir lieber und sagen zu Allem nur noch Ja und Amen? Nein, denn es gibt solche Missionare noch. Und den ein oder anderen Katholiken der aufsteht, den jungen Konvertiten aus Österreich etwa, der mit den Göttinnenfiguren in Rom bei Nacht zum Tiber unterwegs war. Und viele lächeln lässt. Eine gute Nachricht also!

Ursula Zöller

Bild: Ana Jimenez auf Pixabay

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