„Unser gottgewolltes Leben und unsere Bestimmung beginnen bei der Empfängnis“

Marienweihe und eine besondere Predigt von Erzbischof Michel Aupetit an Mariä Himmelfahrt in Paris

Die Heimsuchung Mariä  um 1410 – 1420 Oberrheinischer Meister (tätig um 1400 – 1435) Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, Saal 16 (Inventar-Nr. 2814)

Am 15.August 1638 hatte König Ludwig XIII. Frankreich der Jungfrau Maria geweiht. Mariä Himmelfahrt ist landesweiter Feiertag. In diesem Jahr war Paris Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses: „M de Marie“ machte Station in der Hauptstadt. Die 107tägige Marienwallfahrt mit der Marienstatue  Notre Dame de France, die ausgehend von Lourdes bzw. La Salette Frankreich durchquert und in den Verbindungslinien zwischen fünf Marienerscheinungsorten ein großes M auf die Landkarte zeichnet, versteht sich missionarisch und will zur spirituellen Wiedererweckung Frankreichs beitragen, dessen besondere Beziehung zur Gottesmutter es wieder zu erfahren gilt.

An Mariä Himmelfahrt zelebrierte der Pariser Erzbischof  Mgr. Michel Aupetit in der Basilika Sacré-Coeur die Messe und weihte die Stadt dem Herzen Jesu und Mariens. Es ist die Liebe der Mutter, die im Zentrum der Predigt steht, der Mutter, die ihrem menschlichen und göttlichen Kind im Schmerz und in der Liebe untrennbar und ewig verbunden ist mit Leib und Seele. Eindrücklich verwies der Erzbischof auf die schreckliche Schuld der Menschheit, die auf die Liebe ihres Gottes von Anbeginn mit Missachtung  antwortete und ihren Erlöser ans Kreuz nagelte bis in unsere Tage, wo „die Menschen sich für Gott halten, indem sie mit Leben und Tod spielen“.

Unmissverständlich war für Franzosen die Anspielung auf den Entwurf zum „Bioethikgesetz“, der am 1.August in zweiter Lesung von der Nationalversammlung verabschiedet worden war und von Erzbischof Aupetit massiv kritisiert wurde.  Das Gesetz sieht ein Recht auf künstliche Befruchtung für alle Frauen unter 43 Jahren vor, auch alleinstehende und Frauen in lesbischen Beziehungen.  Social-Egg-Freezing und Ei- und Samenspende bei ein und demselben Paar sollen möglich sein. Spätabtreibungen dürften bei „psychosozialer Belastung der Mutter“ durchgeführt werden. Bei der schon erlaubten Embryonenforschung wäre das Einsetzen menschlicher Stammzellen in tierische Embryonen erlaubt.

Der Erzbischof, der selbst Arzt und Bioethiker ist, lenkte in seiner Predigt unseren Blick auf den Evangelisten des Tagesevangeliums: Lukas, den griechisch gebildeten Arzt, der schildert, was sich ereignet, als sich die beiden ein Kind unterm Herzen tragenden Mütter, Maria und Elisabeth, begegnen. Elisabeth „hüpfte das Kind in ihrem Leibe“.  Dieses Kind ist Johannes der Täufer, der schon im Mutterleib seine Bestimmung erfüllt und prophetisch auf die Ankunft Jesu Christi verweist. Der Arzt Lukas spricht vom Kind im Mutterleib, nicht vom Embryo oder Fötus. Kein Zufall, wie der Erzbischof betont, sondern ein Zeichen dafür, dass „unsere Bestimmung mit der Empfängnis beginnt, unser von Gott gewolltes Leben und unsere Bestimmung“. Und Jesus, den Maria erst kurze Zeit zuvor empfangen hatte, ist schon im Mutterleib ganz präsent und bewirkt durch den Heiligen Geist in Elisabeth  die Erkenntnis Seiner Menschwerdung als Gott.

Und Mgr. Aupetit mahnte eindringlich:

„(…) in diesen Tagen, wo die Menschen sich berechtigt fühlen, Embryonen zu zerstören oder zu manipulieren zum Zwecke gewagter  Experimente, ist es gut, daran erinnert zu werden, dass unser Leben, unsere Bestimmung, im Schoß unserer Mutter beginnt, und dass dieses Leben niemandem gehört, selbst der nicht, die es in sich trägt“.

Clara Rosgartner

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