Bleibe bei uns Herr, denn der Tag hat sich geneigt

Photo by Pixabay on Pexels.com

Was uns glücklich macht

Ein schöner Tag. Die Sonne scheint – nicht mehr so heiß wie noch vor kurzem, aber warm und hell. Das Wasser auf dem See glitzert, kleine Wellen schlagen ans Ufer und die Bäume sind grün. Die Sonnenstrahlen malen Kringel auf die Erde zwischen den Bäumen, ab und zu hört man einen Vogel zwitschern. Ein schöner Tag, einer, um mit sich und der Welt sehr zufrieden zu sein. Und dann das wunderbare Abendrot, das den See verzaubert und in goldenes Licht taucht.

Spätabends Nachrichten. Nicht nur die schlimmen von den Orten manchmal gar nicht so weit weg, die von ertrinkenden Flüchtlingen, Kämpfen, Terror berichten, Nachrichten auch aus unserem Land. Der Prozess gegen einen Vater, der seine kleine erst drei Monate alte Tochter missbraucht und Fotos davon ins Internet gestellt hat. In das dunkle Netz, in dem so viele Pädophile unterwegs sind. Und die Ermittler, die sich tausende grauenhafte Fotos missbrauchter Kinder anschauen müssen, die wissen, dass sie diesen Sumpf nie trockenlegen werden. Sie tun diese Arbeit, um möglichst viele Kinder zu retten und werden manchmal selbst krank dabei.

Meldungen in der Zeitung. Wie oft musste man in den vergangenen Wochen lesen, dass jemand irgendein ihm unbekanntes Kind, seine Mutter, andere Erwachsene in das Gleisbett eines Zuges geworfen hat. Wie oft liest man nun von Messerattacken, sieht Bilder von Menschen, die auf andere einprügeln und treten, die am Boden liegen.

Was ist mit uns geschehen? Ist unsere Gesellschaft, von der man glaubte, sie sei zivilisiert, unter ihrer Wohlfühloberfläche doch ganz anders? Wer sind die tausenden Männer und auch die Frauen, die Lust und ein Vergnügen daran finden, wehrlose Kinder zu quälen?

Kein Land mehr, in dem man mit sich und ein bisschen auch mit der Welt zufrieden sein kann?

Natürlich gibt es auch all die anderen, die guten Nachrichten. Die Lebensretter mit oder ohne Uniform, die Helfer in den kleinen und großen Nöten des Alltags, die fröhlichen und freundlichen Menschen, mit denen man ganz unkompliziert ein Schwätzchen halten kann, die Familie, die netten Nachbarn und die Freunde, die Halt geben.

Doch unsere Gesellschaft muss sich ändern. Sie muss den Wert des Lebens – von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende – wieder in den Mittelpunkt stellen. Sie muss die Achtung vor jedem Menschen fördern, muss den Sinn des Lebens deutlich machen. Wir hören zu viel von den Möglichkeiten sich das Leben zu nehmen – als sei dies ein Menschenrecht. Wir erfahren zu viel von Menschen, die anderen oft auf schreckliche Weise das Leben nehmen.

Wir sehen zu viel Hässliches, aber wir brauchen Schönes, wir erleben zu viel Streit, aber wir brauchen Zuneigung. Wir sehen zu viel Käufliches und brauchen Liebe. Geiz ist weder geil, wie es uns die Werbung lange einzureden suchte, noch muss man neidisch auf Haus, Pferd und Swimmingpool eines anderen sein und deshalb einen Bankkredit verlangen.

Was uns glücklich machen kann ist das Wissen darum, dass es über uns hinaus eine andere Wirklichkeit gibt. Sie macht frei und befreit von der Angst, in diesem kurzen Leben alles haben und erleben zu müssen.

Die Emmausjünger baten damals den Fremden, der mit ihnen ging, Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Er ging mit ihnen hinein und als er ihnen das Brot brach gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten den Auferstandenen.

Und sie kehrten sofort nach Jerusalem um und gaben Zeugnis von dem, was sie erfahren hatten, von dem, was wirklich glücklich macht.

Noch immer braucht es Emmausjünger, die sofort aufbrechen und Zeugnis von unserer Hoffnung und der Gewissheit über die Auferstehung geben. Es braucht uns. Jeden von uns.

Ursula Zöller

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close