Ein neues Jahr in einer Zeit des Wahns

Obdach für die Seele

von Ursula Zöller

Nach dem Jahr, in dem zu allen anderen Übeln – Terror, Krieg, Hunger, Missbrauch – auch noch die Plage durch das Corona-Virus kam, stehen wir am Anfang eines neuen Jahres. Wird es anders als das nun zur Neige gehende sein? Wird es besser werden?

Am Ende eines Jahres feiern Katholiken immer auch das Fest der Unschuldigen Kinder (28.). Der Mord an den Kindern in Bethlehem, geschehen, um die Macht des Herodes zu sichern, ist auch ein Fanal für unsere Zeit. Nur dass die Lage heute weitaus schlimmer ist. Wir schaffen Menschen und wir töten sie, wir produzieren in unseren Laboratorien Kinder nach Maß und sortieren sie aus wie Falschlieferungen oder schlechte Ware. Annahme verweigert zum Beispiel wenn eine Leihmutter ein krankes Kind zur Welt bringt.

Und weil echtes oder vermutliches Leid nicht mehr zumutbar ist, beenden wir es am Anfang und am Ende des Lebens. Da wir Menschen erschaffen können haben wir doch auch die Macht, sie abzuschaffen. Oder?

Bischof Bertram Meier schreibt in einem Beitrag für Paneuropa Deutschland, „Der Traum, wie Gott zu sein, ist zum Wahn geworden! Der Mensch mit dem Gotteskomplex, besessen von dem Größenwahn, wie Gott zu sein, wird im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich.“ Er habe großes Wissen, aber wenig Gewissen und was mit dem Drang zur schrankenlosen Selbstverwirklichung begann, könne in der Selbstvernichtung enden.

Der Augsburger Bischof zitiert Teilhard de Chardin, „der Tag ist nicht mehr weit, an dem die Menschheit wählen kann zwischen Selbstmord und Anbetung“. Wo Gott für tot erklärt wird, da muss auch der Mensch bald sterben. Vor allem der Schwächste, der ohne Recht und Stimme, der Ungeborene und der Todgeweihte.

Wählen wir also die Anbetung? Sie ist das, was auch in diesem neuen Jahr zählt, in dem uns die Kirche doch immer noch ein Obdach für die Seele gibt.

Dieses Jahr liegt wie jedes in Gottes Hand. Josef Ratzinger, der spätere Papst, hat es einmal in Gedanken zum neuen Jahr so erklärt: „Unser Herz, das auch unserem Hirn, unserem Geist den Rhythmus gibt, findet seinen wahren Takt, wenn es sich hineinlegt in die Hände dessen, der unsere Zeit in Händen hält“.

Es kann also trotz allem ein gutes Jahr werden, dieses 2021. Es liegt an uns, wem wir unser Herz anvertrauen.

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