Wir sind nur Gast(Luftanhalten!)in auf Erden

Gebt uns unsere Muttersprache wieder!

Dieser Tage konnte man – Pardon, frau auch – eine Sendung im Radio hören, bei der es um die Räumung eines seit Jahren besetzen Hauses in Berlin ging. Die Interviewerin fragte nach den Befindlichkeiten der Protestantinnen mit der von der political correctness vorgesehenen kleinen Atempause zwischen „Protestant“ und „innen“. Was – abgesehen von der sehr bemühten sprachlichen Verunstaltung – auch noch ein Defizit in Fragen der Religion offenlegte. Möglichweise hat das bei jenen evangelischen Menschen, denen ihr Glaube wichtiger als Gendergerechtigkeit ist, zu Irritationen geführt. Tipp an die Sprecherin: Protestierer(Luftanhalten!)innen wäre in Ihrem Sinne besser gewesen.

Die Gendergläubigen sind nun immer wieder zum leisen aber hörbaren Luftanhalten beim Aussprechen eines Kunstwortes gezwungen, das nur wegen der Atempause – sofern sie denn wahrgenommen wird – nicht dazu führt, dass nun alles männliche weiblich zu sein scheint. Allerdings kann man sich beim plötzlichen Luftanhalten auch leicht verschlucken, was die Lufthoheit über dem Sprachgebrauch ziemlich gefährlich machen kann.

Kürzlich sprach jemand im Radio oder Fernsehen von einer Gästin, was in meinem Fall dazu führte, dass ich nicht länger Gast dieser Sendung sein mochte und mich Besserem zuwandte. Nun warte ich darauf, dass jemand von der Mensch(Luftanhalten!)in spricht. Den Gott der Christen hat man ja längst in feministischen Kreisen zu einer Göttin deklariert ohne dass die Göttinnengläubiginnen dadurch erlöster wirkten.

Wenn alle großen Probleme unserer Zeit gelöst sind, vor allem das drängende der nächsten Urlaubsreise, wünsche ich mir meine Muttersprache zurück. Doch, so fortschrittlich dieser uralte Begriff klingen mag, das wird dauern! Wahrscheinlich hat die meisten von uns bis dahin schon Gevatter(Luftanhalten!)in Tod(sic!)in zu Gott abberufen. Wir sind ja nur Gast(Luftanhalten!)in auf Erden. Kann aber auch sein, dass der Tod männlich bleibt; denn er ist ja ein wenig unangenehm.

Ursula Zöller

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