Braucht die Kirche Deutschlands Rom?

Wenn man Sünden segnen will…

Unsere Kirche in Deutschland ist auf dem besten – Pardon: schlechten – Weg, eine deutsche Kirche abseits von Rom zu werden. Als wäre sie ein Verein, in dem man Satzungen beliebig ändern kann, oder eine Demokratie, in der man per Mehrheitsbeschluss der Wähler über an sich objektive Wahrheiten abstimmen kann. Denn gerade setzen sich viele ihrer Vertreter offenbar ohne Gewissensbisse über klare Voten aus Rom hinweg. Es geht zunächst um das römische Verdikt, Verbindungen von  gleichgeschlechtlichen Paaren nicht zu segnen, geht aber auch um den sogenannten Synodalen Weg, den manche einen suizidalen nennen.

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, dem man fälschlich unterstellt, alle Katholiken hierzulande zu repräsentieren, sagt zu dem jüngsten Wort aus Rom, es reihe sich ein in „eine Folge von Störungen des Synodalen Wegs“.

Rom also stört unseren Weg! Sind wir neuerdings wieder Papst, ganz anders allerdings als es nach der Wahl von Benedikt XVI. gemeint war? Soll die Weltkirche am deutschen Wesen genesen?

Wie nennt man eine solche Einschätzung des ZdK? Hybris, gnadenlose Selbstüberschätzung?

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing hat großzügig bemerkt, man werde das Wort aus Rom in die Überlegungen einbeziehen. Papst Franziskus sollte ihm sehr dankbar sein!

Aber das Votum aus Rom ist nicht etwa nur eine vom Heiligen Vater gutgeheißene Meinung. Es ist ein abschließendes Urteil, das weder Bischöfe noch einzelne Priester ignorieren dürften. Früher sagte man zu solchen Urteilen „Roma locuta, causa finita“, heute sagt man stattdessen bei uns in dem herrlichen Gefühl der angeblichen Augenhöhe: „Na, gut, schau‘n wir mal, ob wir das akzeptieren wollen.“ Kirche in Deutschland.

Das Bistum Limburg ändert prompt seinen Internetauftritt indem es ihn mit der Regenbogenfahne schmückt, versehen mit der Bemerkung, dass Liebe keine Sünde sei, der Guardian des Klosters auf dem Kreuzberg in der Rhön hisst eine Regenbogenflagge und wie damals durch die Kölner Erklärung protestieren Theologieprofessorinnen und -professoren gegen den Vatikan. Damals übrigens haben mehr als 4.000 Frauen dem Protest der Theologen in der Bonner Erklärung öffentlich widersprochen.

Nun also wollen Priester zeitgeistgemäß die Verbindung gleichgeschlechtlicher Paare segnen. Man fragt sich, warum einige Menschen einen kirchlichen Segen für etwas haben möchten, das die Lehre dieser Kirche eben nicht gutheißt. Obwohl sie jeden einzelnen Menschen gerne segnet.

Man fragt sich, ob diese Leute und alle, die sich ihrer Forderung anschließen, wissen, was der Sinn eines solchen Segens ist. Er ist nämlich eine Sakramentalie, etwas, das man früher ein kleines Sakrament nannte. Die Kirche legt damit Fürbitte ein für etwas, das mit dem Plan Gottes übereinstimmt. Solch ein Segen ist dann eine liturgische Handlung und würde segnen, was die Kirche im Fall der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aber als Sünde definiert. Und sie würde solche Verbindungen zumindest in den Augen der Öffentlichkeit der Ehe gleichsetzen – was wahrscheinlich der tiefere Sinn des vehementen Beharrens auf diesen Segnungen für ein paar wenige Paare ist.

Übrigens spricht das Dokument nicht nur von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, sondern macht endlich einmal wieder klar, dass für unsere Kirche die geschlechtliche Verbindung generell ihren rechten Platz in der Ehe hat.

Eine Kirche, die segnen würde, was sie für Sünde hält, macht sich nicht nur lächerlich, sondern auch von Grund auf unglaubwürdig. Eine solche Kirche würde sich abschaffen. Oder – und genau die Änderung der Sexualmoral will ja der Synodale Weg – zu einer deutschen Kirche werden, losgelöst von ihrem geistigen Zentrum und so sicher auch ohne Hoffnung auf den Segen Gottes, zu dem sie einmal gehöre wollte.

Ursula Zöller

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