Maria war hier

Bild: Manfred Zajac auf Pixabay

Sie hieß wenn ich mich recht erinnere Frau Lind. Wir trafen uns vor vielen, vielen Jahren. Sie war sehr krank und recht alt und kam mit einem Liegendtransport nach Lourdes. Ich war mit im Zug, hatte den Auftrag eine Reportage über die Brancardiers in Lourdes zu schreiben, jene Freiwilligen, die dafür sorgen, dass die Kranken an die Grotte, in das Bad, zu den Heiligen Messen und zur Segnung kommen.

Diese Reportage war nichts, das ich gerne machen wollte. Ich mag riesige Menschenmengen nicht – und die würde es in Lourdes geben. Ich mag religiösen Kitsch nicht – und den gibt es dort neben viel Schönem wie an jedem Wallfahrtsort, weil unterschiedliche Menschen ihren Lieben daheim eine Kleinigkeit mitbringen wollen und weil viele selbst etwas haben möchten, das sie an ihre Pilgerreise erinnert. Nichts zog mich nach Lourdes. Und die Madonnen, denen man den Kopf abschrauben muss, um das Lourdeswasser hineinzufüllen, waren schreckliche Bestätigung meiner Vorbehalte. Doch es war eine Freude, sich um Frau Lind zu kümmern, sie zu begleiten, ihr beim Essen zu helfen, Andenken für sie einzukaufen – auch das! – und mit ihr zu sprechen.

Sie war nicht zum ersten Mal in Lourdes und jedes mal, wenn sie sich wieder krank wie immer auf die Pilgerreise machte, tat sie das mit der stillen Hoffnung im Herzen, dass sie geheilt würde und zugleich mit der inneren Gewissheit, dass dies kaum geschehen wird. Aber – so erzählte sie mir dann – sie hatte ein Wunder erlebt. Es geschah während der Priester segnend von einem Kranken zum nächsten ging. Neben ihr lag ein offenbar gelähmter junger Mann auf der Bahre und als er gesegnet worden war stand er plötzlich auf und konnte wieder gehen.

Warum er und nicht ich hat sie sich damals gefragt und es mir ganz schlicht und ohne beschönigendes Drumherumreden erzählt. Und weil sie es so erzählte ohne sich für ihre Gedanken zu entschuldigen, die ja so menschlich sind, war sie für mich sehr glaubhaft. Sie hat dem jungen Mann nach den ersten spontanen Gedanken natürlich gegönnt, dass er geheilt wurde; er und nicht sie. Ein wenig Traurigkeit blieb, aber auch das große Erstaunen über das, was sie erlebte.

Damals bin ich einmal über das Flüsschen auf die andere Seite gegangen, habe vor dort aus die Grotte betrachtet und einen unglaublich tiefen inneren Frieden empfunden. Hier, so dachte ich, wäre der Ort an dem man ganz alleine glücklich sterben könnte. Hier – nahe der Madonna.

Heute gibt es – was ich bisher nicht wusste – die Möglichkeit, online dort eine Heilige Messe zu erbitten oder eine Kerze für liebe Menschen aufstellen zu lassen. Man kann sie mit deren Namen versehen lassen und ein Gebet anfügen. Eine unserer Frauen hat dies gerade für Maria, die krebskranke Mutter dreier Kinder, getan. In einer Rundmail bat ich um das Gebet für sie.

Ich werde eine Kerze für einen lieben Freund aus Jugendtagen bestellen, der Priester wurde und nun schwer an Knochenkrebs erkrankt ist. Er wird sich freuen und getröstet fühlen.

Wunder geschehen; öffentlich anerkannte und solche, von denen man normalerweise nichts erfährt, Wunder oft in den Seelen der Menschen. Es ist der Trost, der von einem Ort ausgeht, an dem man sich der Gottesmutter so nahe fühlen kann, denn sie war hier. Es ist der Trost eines geheiligten Ortes, an dem es unendlich viel Krankheit und Leid gibt und doch zugleich unendlich viel Freude, Glück und Geborgenheit. Dank Maria und unserem Herrn und Gott!

Ursula Zöller

Hier kann man online um die Feier einer Heiligen Messe bitten oder eine Kerze bestellen: https://www.lourdes-france.org/de/intention-priere/


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