Kardinal Marx, sein Rücktritt und der „Synodale Weg“ – Kirche am toten Punkt?

Wir sehen in den Medien das Bild von Menschen, die Kardinal Woelki rote Karten entgegenstrecken. Doch wer einen der wunderschönen Gottesdienste im Kölner Dom mitfeiert, sieht dort lange Reihen von Menschen, die kommunizieren und in dieser Kirche offenbar zuhause sind.

Wir hören von dem bejubelten Rücktrittsangebot von Kardinal Marx an den Papst, das allerdings von dem Falschen komme und erfahren nicht, dass Kardinal Woelki dem Papst schon 2020 seinen Rücktritt angeboten hat.

Nun sind zwei Visitatoren nach Köln gekommen. Und die Öffentlichkeit sieht darin Zeichen einer Verurteilung des Kardinals. In Wirklichkeit darf man nun aber von einem neutralen Blick von außen auf das Geschehen in Köln ausgehen. Andernfalls hätte Felix Genn aus Münster als dienstältester Bischof der Kölner Kirchenprovinz eine Untersuchung einleiten müssen. Er gehört allerdings zu den vielen Bischöfen, die den sogenannten synodalen Weg stützen und hätte kaum neutral sein können. Und genau um den Versuch der völligen Umgestaltung unserer Kirche geht es ja in Wahrheit bei den ständigen Angriffen auf Kardinal Woelki.

Man sagt uns daher jetzt, das Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen in Köln sei nur ein Gefälligkeitsgutachten, erwähnt aber nicht, wie viele Konsequenzen aus ihm bereits gezogen wurden. Und – so fragt man sich schließlich auch – wo sind die Gutachten anderer Diözesen? Den Vorwurf des Gefälligkeitsgutachtens weist der Strafrechtsprofessor Gercke vehement zurück. Man habe wohl „allein für eine billige Schlagzeile die journalistischen und rechtlichen Standards über Bord geworfen.“

Kardinal Marx erwähnt in der Begründung seines Rücktrittsangebots, eine „persönliche Schuld und Mitverantwortung auch durch Schweigen, Versäumnisse und zu starke Konzentration auf das Ansehen der Institution“. Dem Kölner Erzbischof wird attestiert, dass ihn persönlich keine Schuld an den Missbrauchsfällen trifft.

Rainer Kardinal Woelki wird vorgeworfen, er habe ein erstes Gutachten nicht veröffentlicht. Von dem zweiten weiß man allerdings, dass es umfassender und strenger als das erste war, welches man inzwischen ebenfalls einsehen kann. In München wurde ein erstes Gutachten zurückgehalten. Ein zweites soll nun im Sommer – von einem Nachfolger des Erzbischofs – veröffentlicht werden. Der muss sich dann erst einmal einarbeiten. Und das wird für die Betroffenen, die auf Klarheit und Hilfe hoffen, nicht gut sein.

Kardinal Woelki hatte schon 2018 als erster einen Betroffenenbeirat eingerichtet und versprochen, dass er aufklären werde. Zu diesem Betroffenenbeirat zählt auch Peter Bringmann-Henselder. Er meint, Kardinal Marx hätte sich stellen müssen, statt einem Nachfolger die Aufarbeitung zu überlassen. Das „Rücktrittsangebot von Marx ist Wasser auf die Mühlen der Medien, die sich an Woelki abarbeiten und nicht müde werden, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken.“ Kein anderes Bistum habe „bisher ein solch umfassendes Gutachten vorgelegt, das für jeden Interessierten ungekürzt und ungeschwärzt einsehbar ist.“ So Herr Bringmann-Henselder in einem sehr deutlichen Interview in der Deutschen Tagespost.

Dem Kölner Erzbischof wird vorgeworfen, dass er sich den Vorgaben des „Synodalen Weges“ nicht unterwerfen mag. Dass gerade er in seiner Diözese eine Frau als Referentin für die Diakonen- und Priesterausbildung eingesetzt hat, ist kaum bekannt. Dabei müsste das den Frauen von Maria 2.0 und ihren Mitstreiterinnen eigentlich gut gefallen. Aber sie pflastern auf ihrem Symbolbild Maria den Mund zu. So als habe die Frau, für die doch Maria 2.0 stehen soll, nichts zu sagen. Und sie schlagen in der Nachfolge Luthers ihre Thesen an Kirchentüren an und übersehen, dass seit Luther Maria für die meisten evangelischen Christen aus ihrem Bewusstsein verschwunden ist. Merkwürdig, dass die Kirchenfeministinnen gerade das gut finden.

Und doch sehen sie den Untergang der Kirche, wenn sie nicht endlich gleichberechtigt sind. Der Münchner Kardinal meinte gar, sie sei an so etwas wie an einem toten Punkt. In seinem Schreiben an Papst Franziskus heißt es: „Ein Wendepunkt aus dieser Krise kann aus meiner Sicht nur ein „synodaler Weg“ sein, ein Weg, der wirklich die „Unterscheidung der Geister“ ermöglicht.“

Haben wir aber nicht gelernt, dass die Kirche niemals untergehen wird, weil Gott alle Tage bei uns ist? Und wissen wir nicht, dass die Unterscheidung der Geister eben nicht durch Änderung von Strukturen und Lehre, sondern nur durch wirkliche Reformen, durch Umkehr und Gebet, durch das Hören auf das Wort Gottes und die von ihm geschenkten Sakramente geschieht?

An diesem Freitag, dem 11. Juni, werden im Kölner Dom von Kardinal Woelki vier Diakone zu Priestern geweiht. Es geschieht wie immer in Köln an einem Herz-Jesu-Fest.

Wenn sich die vier jungen Männer auf dem Boden der Kathedrale ausstrecken und wenn sie ihr „ad sum“, ihr „Ich bin bereit“ aussprechen, dann ist ihre Kirche ganz sicher nicht an einem toten Punkt. Sie stehen als Männer auf, die sich mit ihrem ganzen Leben in ihren Dienst stellen.

Sie stellen sich in den Dienst der Kirche, die gerade heute als Gemeinschaft aus Menschen oft so schlecht ist, die aber dennoch als Kirche Gottes immer auch heilig ist.

Ursula Zöller

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