Zu Bethlehem geboren

Mayas – ein besonderes Geschenk Gottes

„Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein“. Dieses schöne alte Lied des Jesuiten Friedrich Spee singen wir gerade wieder voller Freude in der Weihnachtszeit. „Mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab“ – das versprechen wir dann dem Kind in der Krippe, wie so viele weihnachtlich gestimmte Sänger es seit 1637 getan haben.

In Bethlehem, dem Ort, an dem unser Erlöser Mensch wurde, werden auch heute Tag für Tag Kinder geboren, denen Ärzte, Schwestern, Pfleger und alle Angestellten des Baby-Hospitals der Caritas ihr Herz schenken, weil sie die Liebe Gottes für jedes einzelne Kind weitergeben wollen. Aus ganz kleinen Anfängen vor über 60 Jahren wurde ein großes Hospital, das Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren eine ganz besonders gute medizinische Betreuung gewährt, die unabhängig von deren Religion und auch davon ist, ob sich die Eltern eine Behandlung leisten können. Das ist sehr oft nicht der Fall, denn die Arbeitsmöglichkeiten der Väter in den Palästinensergebieten sind schlecht, die Menschen sind meist sehr arm.

Das Caritas-Hospital ist oft die einzige Überlebenschance für die kleinen Patienten. Allerdings sind schon die Wege aus den umliegenden Orten dorthin schwierig, für wenige Kilometer benötigt man wegen vieler Kontrollen manchmal viel zu viel Zeit; und dann überlebt manches Kind nicht, das man wohl hätte retten können. Das Krankenhaus selbst allerdings liegt ganz nahe bei der Geburtskirche.

Frau Dr. Hiyam Marzouqa, die an der deutschsprachigen Schule in Bethlehem Abitur machte und dann mit einem Stipendium in Würzburg Medizin studieren konnte, liebt es, vor ihrem Dienst hinein zu gehen, eine Kerze anzuzünden und sich so mit jenem besonderen Kind zu verbünden, das hier geboren wurde. Das tut sie fast jeden Tag. Sie nennt es eine „Blitz-Psychotherapie“, die ihr hilft, Kinder mit hoffnungslosen Diagnosen „Gott anzuempfehlen“.

Dann fällt es ihr leichter, die schweren Schicksale zu ertragen. Das von Zeina etwa und ihrem Vater. Er war gerade frisch verheiratet. Nun hatte sich Zeina angekündigt, ihr erstes Kind, auf das sich die ganze Familie freute. Sie wollten die Kleine auf Rosen betten. Doch die Mutter zeigte plötzlich Anzeichen einer Covid-19-Infektion, musste ins Krankenhaus. Sie hat noch gelächelt, als sie erfuhr, dass ihr Baby im Caritashospital zur Welt gekommen ist; dann ist sie gestorben. Zeina ist nun das einzige, was ihrem Vater von seiner Frau blieb.

Und Mayas: Sie ist eines jener Kinder, deren Geburt man hierzulande nach Möglichkeit zu verhindern sucht. Sie kam im Oktober 2019 als dritte Tochter ihrer Eltern auf die Welt und hat Trisomie 21. Maram und Hamzeh ahnten nicht, dass ihr Baby behindert sein würde. „Einen Moment lange waren die Eltern schockiert“ – so steht es in einem Bericht des Hospitals – „und schlossen das Mädchen im selben Augenblick ganz fest in ihr Herz“. Ihr Vater sagt: „Gott hat wohl gewusst, dass wir sie besonders gut behandeln, deswegen hat er sie uns geschenkt.“

Die Eltern bringen Mayas regelmäßig zur Therapie ins Babyhospital. Ihr Vater, der in einem Steinbruch arbeitet, nimmt sich an diesen Tagen nach Möglichkeit frei, um seine Frau und die Kleine dorthin zu begleiten. Sie macht große Fortschritte und bezaubert die Menschen mit ihrem Lächeln.

Zu Bethlehem geboren. Zehntausende Kinder sind hier unter der Obhut christlicher und muslimischer Mitarbeiter geboren worden und haben Liebe und Zuneigung erfahren. Die italienische Franziskanerin Schwester Lucia, die 18 Jahre im Babyhospital gearbeitet hat, ist sicher, dass es ein Privileg ist, das in Bethlehem zu tun. In diesem Krankenhaus zu dienen bedeute, jeden Tag Weihnachten zu feiern und Jesus zu begegnen. Nicht nur in den Kindern, „sondern auch in den Mitarbeitern, den Vätern, den Müttern“. Das Hospital nahe der Geburtskirche sei so auch zu einer Art Geburtskirche geworden.

Zu Bethlehem werden täglich Kinder geboren. Und jedes mal ist dann auch ein wenig Weihnachten.

Ursula Zöller

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