Geistlos an Pfingsten

Pfingstsonntag, Übertragung der Heiligen Messe aus St. Hedwig in Bonn. Auch einige der jungen Leute, die kürzlich gefirmt wurden, gestalten den Gottesdienst mit.

Das erste Mädchen, das sich zur Vorbereitung auf die Firmung äußert, spricht vom Besuch in einer Moschee. Leider wird nicht klar, was er bei ihm bewirkt hat. Hat er gezeigt, dass der eigene Glaube der schönere, der überzeugendere ist? Wäre schön. Hat er zu mehr Toleranz führen sollen? Auch nicht schlecht. Hat er gezeigt, dass alle Religionen gleich gut und wahr seien? Das wäre dann nicht das Ergebnis, das einer guten Firmvorbereitung entsprechen sollte.

Ein Junge spricht den Missbrauch in der Kirche an, die also reformiert werden müsse. Auch wahr, aber vielleicht nicht das, was prägend für das Verhältnis zu der Kirche sein sollte, zu der die jungen Leute nun ganz gehören wollen.

Schließlich geht es noch um die angeblich veraltete Lehre zur Sexualität. Möglicherweise habe ich es überhört, aber mir ist nicht eine Bemerkung darüber aufgefallen, was schön ist an dem Glauben der Kirche und wichtig.

In seiner Predigt spricht der Priester dann von dem überholten Kirchenverständnis zur Sexualität, das man heute den Jugendlichen nicht mehr vermitteln könne.

In diesem Augenblick überfällt mich der wahrscheinlich ketzerische Gedanke, dass der Heilige Geist über St. Hedwig an diesem Tag wohl einen Umweg gemacht haben muss. Aber natürlich weiß ich, dass er wirkt wo und wie er will. Pardon also!

Und doch: Unsere Gesellschaft ist völlig sexualisiert. Immer mehr schreckliche Nachrichten von Kindesmissbräuchen schlimmster Art, selbst an Babys, tauchen auf. Täglich 49 Kinder werden – so die neuesten Statistiken – in unserem Land missbraucht. Aber selbst in den Kindergärten werden die ganz Kleinen schon zu „Doktorspielen“ etc angeregt und Kinder schicken inzwischen Nacktfotos von sich herum, weil ihnen das Gefühl dafür aberzogen wurde, was richtig ist und wie sie richtig mit ihrem Körper umgehen sollten.

Und was geschieht? Ein Geistlicher sagt – und nicht nur er, sondern ganz viele Kirchenleute denken und handeln ähnlich – man könne den Jugendlichen die Sexualmoral ihrer Kirche nicht mehr näher bringen.

Doch: Man kann und man muss!

Man könnte mit ihnen beispielsweise die „Theologie des Leibes“ besprechen, die der Heilige Papst Johannes Paul II. ausführlich und überzeugend dargelegt hat. Geschildert wird sie übrigens unter dem Titel „Die Erlösung des Leibes“ und darum geht es ja vor allem – um den ganzen Menschen als Person und sein Heil. Um seinen Leib als Zuhause der Seele, um den Leib, der mehr ist als ein mehr oder weniger funktionierender Körper, um jenen Leib, der nach dem Tod zu ewigem Leben auferweckt werden soll.

Darum muss wieder von Keuschheit geredet werden, von der Liebe, die sich in der Ehe ganz an den anderen bindet. Und ein Geistlicher, der als Priester zölibatär lebt, sollte doch eigentlich in der Lage sein, Jugendlichen nahe zu bringen, was der Wert dieser sexuellen Enthaltsamkeit ist, zu der er sich wohlüberlegt entschieden hat.

Wer aber meint, Jugendliche müssten sich ausprobieren und alles sei erlaubt, der ist mit schuld am Elend vieler Menschen.

Wenn ein Priester im Firmunterricht das Thema Sexualität behandelt und er den Jugendlichen nicht vermitteln kann, wie die kirchliche Sicht darauf ist, dann sollte er sich wenigstens Hilfe bei katholischen Gruppen holen, die darin Erfahrung haben. Es gibt sie und sie sind gut. Sie werden beispielsweise im Stift Heiligenkreuz bei Wien in der „Theologie des Leibes“ ausgebildet.

In einer Predigt – an Pfingsten – einfach nur zu sagen, man könne die Lehre der Kirche nicht mehr vermitteln, ist ein schreckliches Armutszeugnis.

Komm, Heiliger Geist!


Ursula Zöller

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