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Sie ist fünfzehn Jahr alt als sie etwas tut, was Kindern kaum zuzutrauen ist: Auguste von Sartorius hat von der Not der Kinder vor allem in China und Afrika, aber auch von dem französischen „Werk der heiligen Kindheit“ gehört, das diesen hilft. Etwas ähnliches will sie nun in ihrer Heimatstadt Aachen gründen.

Das junge Mädchen wächst in einer engagierten katholischen Familie auf. Seine Mutter arbeitet im Vorstand des Frauenvereins, der das Marianum unterhält, ein privates Entbindungshaus für mittellose Frauen. Es ist wichtig, denn in der frühindustriellen Textilstadt Aachen sind viele Menschen bitterarm. Therese Sartorius, verwitwete Lerodt, hat aus erster Ehe drei Töchter, die wesentlich älter als Auguste sind. Als die älteste plötzlich stirbt, wachsen deren sechs Kinder zusammen mit Auguste auf. Da es keine höhere Schule für Mädchen gibt, werden sie von Privatlehrern erzogen.

Mit Freundinnen und anderen Kindern beginnt Auguste Geld zu sammeln, das an den Bischof von Nancy für sein „Werk der heiligen Kindheit“ geht. Doch am 2. Februar 1846 gründet sie ihren „Verein der heiligen Kindheit“. Ein Priester, zufällig ebenfalls namens Sartorius, übernimmt die Leitung und ihr Vater wird Schatzmeister, da Auguste mit jetzt 16 Jahren noch nicht zur Führung berechtigt ist. Pfarrer Sartorius und andere Priester machen den Verein im Religionsunterricht und in Predigten bekannt. Die Mitglieder erhalten Andachtsbildchen, die damals sehr begehrt sind. So steigt ihre Zahl schnell. Zehn Jahre lang leitet Auguste – zunächst inoffiziell – ihren Verein bis sie in Vaals in den Orden vom „Heiligsten Herzen Jesu“ eintritt. 1856 wird ihre Gründung von Papst Pius IX. anerkannt.

Ihr Verein, auch „Kindheit-Jesu-Verein“ genannt, ist bereits 1860 in allen katholischen Bistümern verbreitet. Sein Einsatz, seine Feste sind lange wesentlicher Bestandteil der religiösen Bildung der Kinder. 1959 entsteht aus ihm die Aktion Dreikönigssingen der Sternsinger, die bis heute mehr als 1,2 Milliarden Euro für mehr als 1.600 Projekte für notleidende Kinder in über 100 Ländern gesammelt hat.

Auguste verbringt ein Jahr ihres Noviziats im Mutterhaus ihrer „Sacré coeur“-Schwestern in Paris, lernt dort noch die Gründerin Sophie Barat kennen, wird schnell wieder nach Vaals geschickt, wo im Schloss Blumenthal eine Niederlassung der Schwestern ist. 1872 erhält sie den Auftrag, im Kloster Marienthal bei Münster ein Noviziat aufzubauen. Doch wegen des Kulturkampfes wird ihr Orden als „jesuitenähnlich“ ausgewiesen. Auguste legt bei Friedrich von Kühlwetter, dem Präsidenten der Provinz Westfalen, Beschwerde ein, doch Marienthal muss geschlossen werden. Die Schwester wird wieder Oberin in Blumenthal, dann in Bois l´Évéque nahe Lüttich. Katechesen für Bergarbeiterfamilien sind ihr hier besonders wichtig.

Die Massenimmigration in die USA führt dazu, dass auch die Schwestern ihres Ordens, die dort seit 1818 arbeiten, immer gefragter sind. Nun benötigen sie eine führungserfahrene englischsprechende Leiterin für ihr Vikariat in Louisiana. Auguste reist nach Amerika, sorgt dafür, dass das Vikariat von Mexiko selbständig wird und wird nach zwei Jahren nach Paris zurückgerufen, um von der Zentrale aus als Stellvertreterin der Generaloberin die amerikanischen Niederlassungen zu betreuen. Als Repräsentantin ihres Ordens ist sie auch 1888 bei den Feierlichkeiten zum Goldenen Priesterjubiläum von Papst Leo XIII. in Rom. Sechs Jahre später wird sie Nachfolgerin der verstorbenen Generaloberin, kann das Amt aber nur zehn Monate ausfüllen. Am 8. Mai 1895 stirbt Auguste Sartorius in Paris an einem Schlaganfall.

Mehr noch als ihr Einsatz als Ordensfrau fasziniert, dass sie schon als Kind Helferin für andere Kinder sein wollte und entsprechend gehandelt hat. Damals haben die Geistlichen in Aachen im Religionsunterricht und mit Predigten auf diese wichtige Initiative eines jungen Mädchens aufmerksam gemacht, haben sich vernetzt und ein religiöses Werk unterstützt, das immer noch fortwirkt. Papst Pius IX. erhebt es 1922 zum „Päpstlichen Missionswerk der Kinder in Deutschand“.

Im vergangenen Jahr haben die Sternsinger 175 Jahre ihres Bestehens gefeiert. So viel Gutes kann  geschehen, wenn viele Menschen zusammenarbeiten.

Ursula Zöller

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