Katharina Kasper

Ein Mädchen vom Lande

Gemeinsam sind sie am 14. Oktober des vergangenen Jahres heilig gesprochen worden: Papst Paul VI., der sie 1978 selig gesprochen hatte, und Katharina Kasper. Die neue Heilige zählt zu jenen, die man Kleine Leute nennt. Ihr fehlen zunächst alle Voraussetzungen, um Großes zu erreichen. Sie wächst in Dernbach im Westerwald als achtes Kind einer Bauernfamilie auf. Da sie oft krank ist, kann sie nur zwei Jahre lang die Schule besuchen. Sie arbeitet mit den Eltern in der Landwirtschaft, betet mit den Kindern der Nachbarschaft den Rosenkranz, besucht Kranke.

Als sie 22 Jahre alt ist stirbt 1842 der Vater, der Hof wird versteigert. Sie muss nun als Tagelöhnerin und Wäscherin für die Familie sorgen. Es ist die napoleonische Nachkriegszeit die von Missernten, Hunger und Armut geprägt ist. Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründet wegen der Westerwälder Hungersnot einen Brotbackverein, Katharina gründet mit vier jungen Frauen einen „Frommen religiösen Hilfsverein“ zur Pflege von Armen, Kranken und Kindern; es ist Caritas in ihrem umfassenden Sinn. Denn Zweck der Gemeinschaft – so Katharina – „ist die Ausbreitung des Glaubens durch Beispiel, Belehrung und Gebet.“

Das Haus, in dem die ersten Frauen ab 1849 leben, hat drei ärmliche Zimmer. Und doch wird es zur Keimzelle eines gigantischen Werkes. Katharina hat versucht, den Willen Gottes zu ergründen und hat Gott dann auch in kindlichem Vertrauen mitverantwortlich gemacht: „Siehe, lieber Gott, jetzt hast du Geld nötig für dein Haus; nun kannst du auch dafür sorgen; sage mir, wohin ich gehen und für dich leihen soll; die Zahlung der Zinsen musst du aber auch übernehmen.“ Und Gott sorgt für sein Haus.

Im selben Jahr besucht Peter Blum, Bischof von Limburg, die junge Gemeinschaft und begleitet sie fortan. Einer seiner späteren Nachfolger, Bischof Tebartz-van Elst, wird sich für Katharinas Heiligsprechung einsetzen. An seiner Seite ist übrigens als Generalvikar ein Nachfahre ihrer Familie, Franz Kasper.

An Mariä Himmelfahrt 1851 geloben die ersten fünf Frauen, dass sie arm, ehelos und gehorsam leben wollen. Sie nennen sich „Arme Dienstmägde Jesu Christi“, ADJC. Nach dem Geburtsort Katharinas wird der Orden allerdings eher unter dem Namen „Dernbacher Schwestern“ bekannt.  Katharina nimmt den Ordensnamen Maria an und wird erste Oberin der Gemeinschaft, deren Ziel es ist die Menschen „glücklich in der Zeit und selig in der Ewigkeit zu machen.“ Wie Maria auf die Botschaft Gabriels geantwortet hat will auch sie Dienerin des Herrn sein. Daher legt sie auch das Arbeitsfeld ihres Ordens nicht fest. Die Schwestern sollen auf die jeweilige Not der Menschen reagieren können. Also kommen zu der Krankenpflege zum Beispiel auch Nähschulen, Kindergärten und Heime.

Die Gemeinschaft wächst sehr schnell. Schon 1854 entsteht – auf Initiative des katholischen Politikers Moritz Lieber – in Bad Camberg eine erste Filiale. Es folgen Gründungen in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, England, Nordamerika. 47 Jahre lang steht die Heilige an der Spitze ihrer Kongregation. Als sie 1898 in Dernbach stirbt gehören 1725 Schwestern in 193 Niederlassungen zu ihrem Orden. Heute sind es noch rund 550 Schwestern, die sich zum Beispiel in Kenia, Nigeria, Indien, Mexiko und Brasilien auch um Straßenkinder, Aidskranke, Obdachlose und Ausgegrenzte kümmern.

Von jenen, die ihr nachfolgen, hat Mutter Maria Katharina verlangt: „Alle unsere Schwestern müssen Heilige werden – aber verborgene Heilige.“ Sie selbst ist nach ihrer Kanonisation nun nicht mehr ganz so verborgen. Aber wir brauchen ja auch Vorbilder für unser tägliches Leben, damit wir verborgene Heilige, fit für den Himmel, werden.

Zuerst erschienen in: Der Fels 3/2019

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