Die Bedeutung Marias in der Kirche

Der selige Papst Paul VI. hat am 21. November 1964 Maria zur „Mutter der Kirche“ (Mater Ecclesiae) erklärt. An diesem Tag endete die dritte Sitzungsperiode des II. Vatikanischen Konzils in Rom. Die Konzilsväter hatten die Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ (LG) verabschiedet, die ein eigens Maria gewidmetes Kapitel (Achtes Kapitel „Die selige jungfräuliche Gottesmutter Maria im Geheimnis Christi und der Kirche“) enthält.

Es liegt nahe, bei der Frage nach der Bedeutung Marias für die Kirche die „Lauretanische Litanei“ zu zitieren. In ihr sind alle Titel Marias enthalten. Sie wird in dieser Litanei immer wieder als Mutter, auch als Mutter der Kirche, angerufen. In ihr sind die Tugenden und  Gaben enthalten, die ihr Gott gegeben hat als Mutter seines Sohnes. Aber Maria steht „nur“ als Mittlerin zwischen uns und ihrem Sohn. Er allein kann uns erlösen, ist unser – einziger – Mittler bei Gott (1 Tim 2, 5-6). „Seine Mittlerschaft wird durch Marias mütterliche Aufgabe gegenüber den Menschen nicht verdunkelt, sondern zeigt ihre Wirkkraft.“  Ihr heilsamer Einfluss stützt sich ganz auf Christi „Mittlerschaft, hängt von ihr vollständig ab und schöpft aus ihr seine Wirkkraft“. (LG 62)

Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK) hält fest: „Was der katholische Glaube über Maria lehrt, gründet auf dem Glauben an Christus; es erhellt aber auch den Glauben an Christus“. (KKK 487)

Gott hat Maria von Anfang an erwählt als Mutter, sie „ist von Gott mit den einer solchen Aufgabe entsprechenden Gaben beschenkt worden“. (LG 56) Sie war schon vor ihrer Geburt dazu bestimmt Gottes Sohn zur Welt zu bringen. Die Kirche ist sich bewusst, dass Maria deshalb von Gott „mit Gnade erfüllt“ und schon bei ihrer Empfängnis erlöst, also von der Erbschuld befreit worden ist im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes, was im Dogma der Unbefleckten Empfängnis festgehalten ist. „Sie wurde von Gott gewählt schon vor der Erschaffung der Welt, damit sie in Liebe heilig und untadelig vor ihm lebte.“ (KKK 482) Und Maria war zeitlebens frei von jeder persönlichen Sünde. (KKK 511)

Der heilige Papst Johannes Paul schreibt in seiner Enzyklika Redemptoris Mater, die eine umfassende Auslegung des Titels Mater Ecclesiae enthält, über Marias Titel als „Morgenstern“ (Stella Matutina): „Bekanntlich geht dieser Stern zusammen mit der Morgenröte dem Aufgang der Sonne vorauf: So ist Maria dem Kommen des Heilands voraufgegangen, dem Aufgehen der Sonne der Gerechtigkeit in der Geschichte des Menschengeschlechtes.“ (Nr. 3)

Als Maria von ihrer Berufung erfährt, wird sie von dem Engel des Herrn begrüßt „Du Begnadete“ und sie erschrickt über diese Worte zunächst. (Lk 1, 28-29). Dann aber nach der Verkündigung und der Verheißung des Engels gibt sie ihre freie Zustimmung und übt so den vollkommenen Glaubensgehorsam aus. Sie übergibt sich in Freiheit und ganz freiwilliger Entscheidung dem Wort Gottes, in der Gewissheit „für Gott ist nichts unmöglich“. Und sie spricht in Demut und tiefem Glauben ihr „Fiat“: „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach DEINEM Wort.“

Sie hat sich also nicht passiv als „Werkzeug“ von Gott benutzen lassen, sondern hat aktiv ihre Berufung übernommen. In diesem Zusammenhang passt besonders schön die Formulierung des Youcat „Maria war total ansprechbar und offen für Gott“ (117). Und durch ihre aktive Zustimmung, ihre totale Bereitschaft, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen, konnte sich durch den Heiligen Geist in ihr die Menschwerdung Gottes ereignen.

Die Kirche bekennt, dass Maria wirklich die Mutter Gottes, die „Theotókos“, „Gottesgebärerin“ ist, da sie den Herrn durch den Heiligen Geist als Menschen empfangen hat. „Er ist ihr leiblicher Sohn, der ewige Sohn des Vaters, die zweite Person der heiligsten Dreifaltigkeit“. (KKK 495)

Maria hat in freiem Glauben und Gehorsam zum Heil der Menschen mitgewirkt. So, wie die Jungfrau Eva durch ihren Ungehorsam den Tod gebracht hat, brachte die Jungfrau Maria durch ihren Gehorsam das Leben. (LG 56) Ihr Glaube und ihr Gehorsam, ihr unendliches Vertrauen in Gott, haben Maria nicht wanken lassen. Selbst in ihrer wohl schwersten Prüfung unter dem Kreuz, in der Stunde des Leidens ihres Sohnes, wankte ihr Glaube nicht.

So gab Jesus sie uns allen zur Mutter „Frau, siehe da dein Sohn“ (Joh 19, 26-27). Und nach der Himmelfahrt Christi „steht sie den Anfängen der Kirche mit ihren Gebeten zur Seite“. Sie erfleht zusammen mit den Aposteln und einigen Frauen „mit ihren Gebeten die Gabe des Geistes“. (LG 59)

Mit ihrer Aufnahme in den Himmel später war ihr Werk für uns Menschen nicht beendet. Sie geht und leuchtet uns als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes voran (LG 68). Sie „trägt in mütterlicher Liebe Sorge für die, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen“.  (LG 62) Sie ist, ganz Mutter, unsere  Fürsprecherin, Helferin, Beistand und Mittlerin bei ihrem Sohn. So heißt es im Credo des  Gottesvolkes „Wir glauben, dass die heiligste Muttergottes, die neue Eva, die Mutter der Kirche, im Himmel ihre Mutterschaft an den Gliedern Christi fortsetzt.“

„Durch das Geschenk und die Aufgabe der göttlichen Mutterschaft, durch die sie mit ihrem Sohn und Erlöser vereint ist, und durch ihre einzigartigen Gnaden und Gaben“ ist Maria auch auf das engste mit der Kirche verbunden. (LG 63) Ja, mit ihrem Gehorsam, ihrem Glauben und ihrer Liebe ist sie Vorbild für die Kirche. Indem sie dem „Willen des Vaters, dem Erlösungswerk des Sohnes und jeder Anregung des Geistes voll und ganz“, zustimmte, verkörpert sie das Urbild der Kirche (Typus Ecclesiae) (LG63).

Die Kirche ist schließlich selbst Mutter, indem sie die Liebe Marias nachahmt, getreu den Willen Gottes erfüllt und das Wort Gottes gläubig annimmt. Sie bringt durch Predigt und Taufe die vom Heiligen Geist empfangenen und aus Gott geborenen Kinder zum neuen und unsterblichen Leben. Und sie ist Jungfrau, „da sie das Treuewort, das sie dem Bräutigam gegeben hat, unversehrt und rein bewahrt und in Nachahmung der Mutter ihres Herrn in der Kraft des Heiligen Geistes jungfräulich einen unversehrten Glauben, eine feste Hoffnung und eine aufrichtige Liebe bewahrt“. (LG 64)

Die Kirche ist in der seligsten Jungfrau schon zur Vollkommenheit gelangt, in der sie „ohne Makel und Runzel“ ist (Eph 5, 27), lehrt uns das Konzil (LG 65), während wir Gläubigen noch gegen die Sünde kämpfen und uns mühen heilig zu werden. Wir blicken auf Maria, die uns als Vorbild in den göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie im Gehorsam gilt.

Sie ruft uns zu ihrem Sohn und seinem Opfer und zur Liebe des ewigen Vaters. Wir stehen mit ihr unter dem Kreuz und blicken an ihrer Hand zu ihrem Sohn und gelangen so „durch Maria zu Jesus“.

Ihre Botschaft der mütterlichen Liebe, des Glaubens, des Vertrauens, der Hoffnung („für Gott ist nichts unmöglich) und des Gehorsams ist gültig bis an das Ende der Zeiten. Sie braucht vor allem kein Update. Suchen und befolgen wir wie sie den Willen Gottes in allem. Maria hilft uns dabei. Die gute Mutter tröstet und leitet uns an. Sie ist unsere Fürsprecherin und unsere Mittlerin bei ihrem Sohn und so können wir uns als Glieder Christi vertrauensvoll an sie wenden, wenn wir mit dem ältesten bekannten Mariengebet sprechen:

Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir,
o heilige Gottesgebärerin.
Verschmähe nicht unser Gebet
in unseren Nöten,
sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,
o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau.
Unsere Frau, unsere Mittlerin,
unsere Fürsprecherin.
Versöhne uns mit deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stelle uns vor deinem Sohne.

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