Der Synodale Weg ist ein Irrweg

Der Papst ermutigt in seinem Schreiben die deutschen Katholiken zum „Synodalen Weg“. Er selbst hat bereits in der Vergangenheit immer wieder die Notwendigkeit des „gemeinsamen Vorangehens“ betont. In seiner Ansprache zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode am 17. Oktober 2015 sagte er, dass er von Beginn seines Pontifikates an die Idee gehabt habe, die Einrichtung der Synode „aufzuwerten“ und im Sinne Papst Pauls VI. auch weiterzuentwickeln: „Die Welt… verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung. Genau dieser Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.“

Laien, Hirten und der Bischof von Rom müssen gemeinsam vorangehen, denn „Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung, und es wäre unangemessen, an einen Evangelisierungsplan zu denken, der von qualifizierten Mitarbeitern umgesetzt würde, wobei der Rest des gläubigen Volkes nur Empfänger ihres Handelns wäre. (Evangelii gaudium, Nr. 120). Der Papst betont die Beteiligung des ganzen Gottesvolkes am Leben und an der Sendung der Kirche, zugleich fordert er die Bischöfe auf, sich an den Alltagsproblemen der Gläubigen zu orientieren. Eine synodale Kirche ist nach dem Verständnis des Papstes eine Kirche des Zuhörens, eines wechselseitigen Anhörens, „bei dem jeder etwas zu lernen hat: das gläubige Volk, das Bischofskollegium, der Bischof von Rom – jeder im Hinhören auf den anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist…, um zu erkennen, was er „den Kirchen sagt“. (Ansprache zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode, 2105)

Der von der DBK und dem ZdK vereinbarte „Synodale Weg“ für die deutsche Kirche scheint also durchaus dem zu entsprechen, was der Papst sich unter dem „gemeinsamen Vorgehen“ und der „hörenden Kirche“ vorstellt. Mit einer ausdrücklichen Ermutigung durch den Heiligen Vater konnte man also rechnen.

Entgegen mancher Erwartung hat er auch keine Themenvorgaben oder gar thematische Eingrenzungen gemacht. Der Papst weist aber wiederholt darauf hin, dass die deutsche katholische Kirche Teil der Weltkirche ist und deshalb ihre Entscheidungen im Hinblick darauf sorgfältig abwägen muss. Er mahnt faktisch an, keine Alleingänge zu wagen. Damit aber ergäbe sich zwangsläufig eine Änderung der vorgesehenen Themen des „Synodalen Weges“ in Deutschland, wenn der Brief denn auf fruchtbaren Boden fiele. Doch Kardinal Marx und Dr. Sternberg haben bereits erklärt, man werde den Brief beim Dialogprozess „intensiv bedenken“, was man mit „Wir machen doch, was wir wollen“ übersetzen könnte. Und auch Kardinal Marx hat direkt nach dem Schreiben des Papstes fleißig viele Formulierungen von Franziskus übernommen, wie in seiner Ansprache auf dem Jahresempfang der Erzdiözese München-Freising zu hören war. Allerdings steht zu befürchten, dass er diese Worte bei der konkreten Umsetzung mit seiner eigenen Umdeutung füllt und das, was eindeutig ist und nicht in die Agenda des „Synodalen Weges“ passt, schlicht verdrängt. Dies einzubringen wird einigen wenigen standhaften Bischöfen überlassen bleiben, die entsprechende Kritik dafür in Kirche und Medien ernten werden.

Positiv herauszuheben am Brief des Papstes ist durchaus, dass er immer wieder die echte Erneuerung des Glaubens anmahnt, die ohne eine geistliche Dimension in diesem Gesprächsprozess wohl kaum stattfinden wird. Es ist eben nicht einzig und allein mit der Änderung von Strukturen gemacht. Doch hierauf hat der Papst schon 2015 – also vor immerhin vier Jahren – hingewiesen. Geändert hat sich seither nichts. Auch seine Bitte, das sakramentale Leben in unseren Gemeinden zu stärken, hat man offenbar ungehört – oder unfähig umzusetzen? – verklingen lassen.

Wie realistisch die Erwartungen sind, die der „Synodale Weg“ bei seinen Protagonisten geweckt hat, vor allem hinsichtlich des Zugangs von Frauen zu Weiheämtern oder auch der Frage des Zölibats, wurde durch den Brief deutlich. Dass die kfd über das explizite Fehlen von „Geschlechtergerechtigkeit und Frauenfrage“ klagt, lässt Raum darüber zu spekulieren, ob man dort die „Zeichen der Zeit“ nicht erkannt hat oder wieder einmal schlicht die Tatsache ignoriert, dass diese Fragen durchaus zum einen von universalkirchlicher Natur sind und eben nicht in der Teilkirche Deutschland zu entscheiden, und zum anderen teilweise längst entschieden sind. Warum also sollte der Papst in seinem Brief explizit ausgerechnet darauf eingehen? Nur, weil sie immer wieder erneut vorgebracht und in die Diskussion gezerrt werden?

Kardinal Marx sagte bereits, es müsse in Rom auch etwas Druck bei einzelnen Themen erzeugt und diese immer wieder vorgebracht werden. Kann „Kirche“, wie man sie heute depersonalisiert nennt, gelingen, wenn man einfach Dinge immer und immer wieder vorbringt, egal wie sinnlos es sein mag? Man hat den Eindruck, es gehe darum, den anderen quasi niederzuringen und in die Besinnungslosigkeit zu diskutieren, in der Hoffnung, sein Ziel irgendwann doch noch zu erreichen, wenn die Gegenposition schließlich erschöpft die weiße Fahne schwenkt. Damit aber verbeißt man sich genau in die „begrenzten Sondersituationen“, die laut Papst Franziskus nicht im Vordergrund bei diesem Dialogprozess stehen sollten.

Der Papst verweist darauf, dass die in einer Teilkirche getroffenen Entscheidungen im Einklang mit der universalen Kirche stehen müssen. Damit schränkt sich bei der Frage nach dem Zölibat und dem Zugang von Frauen zu Weiheämtern der Themenkreis quasi von selbst deutlich ein. Gerade die Frage nach dem Priestertum für Frauen ist bereits abschließend entschieden. Das hat Papst Franziskus selbst wiederholt klar zum Ausdruck gebracht:

Die vom heiligen Papst Johannes Paul II in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ vom 22. Mai 1994 verkündete Bekräftigung, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“ (Ordinatio Sacerdotalis, Nr. 4) ist eine Wahrheit, die zum Glaubensgut (depositum fidei) der Kirche gehört. Konkret nahm Papst Franziskus dazu Stellung während eines Interviews auf dem Rückflug von seiner Reise nach Schweden im November 2016 als er sagte: „Hinsichtlich der Weihe von Frauen in der Katholischen Kirche hat der heilige Johannes Paul II. das letzte klare Wort gesprochen, und das bleibt. Das gilt.“ Auch zum Diakonat der Frau mahnte der Papst mehrfach Zurückhaltung an.

Gleichfalls ist er nicht bereit, den Zölibat aufzuheben. In dem Interview während seines Rückfluges vom Weltjugendtag in Panama im Januar 2019 antwortete der Papst auf eine entsprechende Frage: „Mir kommt der Satz des heiligen Paul VI. in den Sinn: ‚Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern‘…. Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist… Ich verspüre nicht den Mut, mich mit dieser Entscheidung vor Gott zu stellen.“

Insofern ist dem Generalvikar der Diözese Regensburg, Michael Fuchs, nur zuzustimmen, wenn er feststellt, es könne sowohl im Inhalt als auch in der Form kein „Weiter so“ für den „Synodalen Weg“ geben. Die völlige und grundlegende Neuausrichtung der „strukturierten Debatten“ muss zwingend erfolgen. Und Foren wie jene über die „Priesterliche Lebensform“ und den „Zugang von Frauen zu Weiheämtern“ eignen sich nun bestenfalls noch, um die feststehende und überlieferte Lehre dazu zu rezipieren und wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. So könnte man zum Beispiel darüber nachdenken, was zur Stärkung der priesterlichen Lebensform zu tun ist. Auch ein Forum sinnvoller, das sich ausführlich der Frage nach der „Berufung der Frau in ihrem Frau-sein“ widmet. Der heilige Johannes Paul II. hat uns hierzu einen wahren Schatz hinterlassen, in dem wir die Bedeutung des „Genius der Frau“ entdecken können. Diesen Schatz zu heben, würde uns möglicherweise völlig neue Erkenntnisse bringen und manche Forderung nach Diakoninnen oder Priesterinnen obsolet machen.

Der Papst hat dringend die geistliche Dimension, das Hören auf den Heiligen Geist und was er uns für diese Zeit zu sagen hat, angemahnt. Es wäre also wichtig, die Gemeinden zu stärken, statt sie noch mehr zu spalten, und die Freude am Evangelium zum Ausdruck zu bringen, die sich nicht in immer spektakuläreren Messen am Sonntag ausdrückt, in denen sich der Liturgiekreis mal so richtig ausprobieren darf, sondern tagtäglich auf der Straße gelebt werden will. Das bedeutet in der Tat, auf die Menschen am Rande, die „an den Schwellen unserer Kirchentüren“ (An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland, Nr. 8) sitzen zu zugehen.

Dazu gehört auch, dass der Priester als solcher erkennbar sein sollte. Allzu oft versteckt sich mancher Pfarrer in einer „zivilen“ Kleidung, mitunter weil er nicht erkannt und angesprochen werden will. Wer vor seiner Gemeinde postuliert „Montags hat der Pastor frei, da gibt’s keine Messe“, der hat entweder – und sehr tragisch – seine Berufung verloren oder schlicht sein Amt nicht verstanden. Wie soll er die Herzen seiner Schafe, die ihm anvertraut sind und die er als Priester zum Himmel führen soll, zum Brennen bringen für die Worte des Evangeliums, wenn er selbst nicht (mehr) brennt? Allzu oft nur bestehen Predigten aus „Geschichten aus der Jugend“ und politischen Ermahnungen, dass man geradezu den Eindruck bekommt, in einer großen Bürgerinitiative zu sitzen. Aber das Evanglium wird nicht mehr in die Zeit übersetzt, um es in die Herzen der Gemeindemitglieder zu tragen, damit diese es in ihrem Alltag und im Miteinander mit Leben füllen können. Wäre nicht auch das die vom Papst immer wieder eingeforderte Orientierung an den „Alltagsproblemen der Menschen“?

Wie kann das gelingen, wenn wir nicht auf Umkehr, Buße und Versöhnung setzen, wie von Papst Franziskus schon 2015 eingefordert? Und das nicht als Drohbotschaft, wie es oft fälschlich heißt, sondern als Frohbotschaft. Ja, Umkehr verlangt einiges von uns. Aber Buße und Versöhnung erleichtern uns und machen uns frei für die Wahrheit des Evangeliums. Und wie kann das gelingen ohne eine würdige Eucharistie und ohne Anbetung? Die Antwort darauf ist in der Tat einfach: Gar nicht. Denn das beobachten wir schon seit Jahren.

Deshalb müsste sich der „Synodale Weg“ mit diesen Fragen, mit Fragen der pastoralen Bekehrung und Neuausrichtung, beschäftigen. Ganz so, wie der Papst es in seiner Ansprache beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe schon gesagt hat.

Das wäre nicht nur wünschenswert, sondern ist sogar dringend geboten. Denn dass vor allem in den traditionell katholischen Gebieten die Menschen nicht mehr in die Heilige Messe am Sonntag in ihrer Gemeinde oder ihrem Pastoralverbund gehen, wie der Papst festgestellt hat, kommt nicht von ungefähr. Man sollte auch nicht der irrigen Annahme erliegen, dass sie plötzlich meinten, ohne die Messe auskommen zu können. Nein. Viele orientieren sich anders und entdecken in wachsender Zahl das Mysterium fidei gerade neu z. B. in der Tridentinischen Messe etwa bei der Petrusbruderschaft, die wachsenden Zulauf verzeichnet. Manche wählen gar – problematisch und nicht ohne Weiteres hinnehmbar –  den Weg zur von Rom getrennten Piusbruderschaft. Es lösen sich also vielfach nicht die, denen die Neuerungen fehlen, sondern jene, welche wahrhaftige Seelsorge und würdige Messfeiern suchen. Sie wollen Predigten hören, die das Evangelium in verständlicher Sprache auslegen und in unsere Zeit übersetzen. Verständlich, klar und zeitgemäß (nicht zeitangepasst!), so dass jeder, der es zu hören vermag, seine Anforderungen, aber auch seinen Trost und seine Unterstützung findet. Das hilft ihnen, den Heiligen Geist und die Botschaft der Stunde zu hören und zu verstehen. Echte Evangelisierung und Mission gibt es noch, in unseren diözesanen Gemeinden fehlt es aber oft genau daran so sehr.

Aber mit der Evangelisierung ist das in Deutschland so eine Sache. Schon Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Deutschlandbesuch 2006 in der Predigt zur Heiligen Messe in München gesagt, dass unsere deutschen Bischöfe bei Evangelisierungsprojekten eher „zurückhaltend“ seien. Und das gilt wohl für das eigene Land erst recht.

Es soll aber an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es noch zahlreiche Diözesanpriester gibt, die sich aufopferungsvoll um ihre Gemeinden kümmern und versuchen, diese zusammenzuhalten, trotz der tagtäglich wachsenden administrativen Herausforderungen in immer größer werdenden Gemeindeverbünden (auch hierüber sollte dringend gesprochen werden). Sie gehen dabei oft bis an die Grenzen der gesundheitlichen Belastbarkeit… und wahrscheinlich auch der seelischen. Für ihren vorbildhaften Dienst kann man nicht genug danken. Auch sie bedürfen unserer Gebete. Und wir müssen um Berufungen guter und heiliger Priester beten.

Darüber würde sich ein „freimütiger Gedankenaustausch“ in einer „strukturierten Debatte“ lohnen. Er wäre sogar dringend notwendig. So sieht der Papst die derzeitige Situation denn auch „als Einladung, sich dem zu stellen, was in uns und unseren Gemeinden abgestorben ist“. (An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland, Nr. 5)

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